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Unser Verein

Über 610 Jahre Geschichte


Am 12. März 1414 schlug der Bischof von Halberstadt den Einwohnern von Badersleben vor, ihren Ort selbst zu schützen. Daraus wurde einer der ältesten Schützenvereine Sachsen-Anhalts – mit Pausen, Umbrüchen und einem Neubeginn.

„… dass eine Anzahl beherzter und mutiger Männer abwechselnd die Tore von Badersleben bewachen und von den dazu erbauten Türmen den Bauern und Hirten auf dem Feld ein Zeichen geben, dass sie sich in den Ort begeben sollten, wenn der Feind naht. … dazu sollen sie sich zweimal im Jahr im Schießen üben und es wurde ein Preis ausgelobt …“

Aus der Urkunde Bischof Albrechts von Halberstadt vom 12. März 1414, übersetzt von Olaf Beder und Edda Speßhardt

Die Gründung

  1. 1414

    Der Bischof ruft die Bürger zu den Waffen

    Raubritter aus den umliegenden Burgen plündern die Gegend. Bischof Albrecht IV. von Halberstadt schlägt den Baderslebern vor, beherzte Männer sollten abwechselnd die Tore bewachen und Bauern und Hirten auf dem Feld ein Zeichen geben, wenn der Feind naht. Damit sie in Übung bleiben, sollen sie zweimal im Jahr um einen Preis schießen. Die Urkunde vom 12. März 1414 ist die Geburtsstunde der Badersleber Schützen-Compagnie.

  2. um 1770

    Morgensprache mit Hut, Rock und Stock

    Die Gemeinde versammelt sich nicht mehr auf dem Glockenkling, sondern im Rathaus – dort haben die Schützen ihre eigene Schützenstube. Am dritten Pfingsttag und am Johannistag muss jeder Schützenbruder zur „Morgensprache“ erscheinen, mit Hut, Rock und Stock.

Fahnen, Stände und Musik

  1. 1803

    Die ersten Fahnen

    Die Schützenkompanie schafft zwei Fahnen an, eine mit dem preußischen Adler, eine mit einem Bischofsbild. 1827 werden sie durch zwei neue ersetzt: eine mit Landwehrkreuz und preußischem Adler, die andere mit Bischof Albrecht, dem Stifter der Schützengesellschaft. Die beiden neuen Fahnen kosten 7 Taler.

  2. 1827

    Der Schießstand zieht um

    Geschossen wurde zuerst vor dem Spieltor unter grünen Linden, dann am Marienspring. Weil es dort zu feucht ist, kommt der Stand 1827 an den Schützenkrug. 1834 entstehen ein Gewölbe und ein gemauerter Kugelfang, jeder Schütze gibt dafür 8 gute Groschen.

  3. 1836

    Scheibe, Trommel und Ehrensalve

    Zum ersten Mal wird die zerschossene Scheibe in feierlichem Zug dem Schützenmeister Valentin Kühne überbracht. Im selben Jahr beschließen die Schützen eine Totenfeier: Für verstorbene Mitglieder werden auf dem Lindenberg drei Kanonenschüsse als Ehrensalve abgegeben.

  4. 1889

    Ein eigenes Musikkorps

    Musikdirigent Hermann Schwope gründet das Badersleber Musikkorps. Zum Pfingstschießen marschieren die Schützen erstmals mit eigener Musik zum Schützenplatz.

Vom Schützenverein zum Jubiläum

  1. 1891

    Aus der Gesellschaft wird ein Verein

    Die Schützengesellschaft wird neu organisiert und in einen Schützenverein umgewandelt. Ein neuer Scheibenstand mit Drehscheibe ersetzt die alte eiserne Scheibe.

    Statut von 1891
    Statut von 1891
  2. 1907

    Die silberne Königskette

    Bis dahin trug der Schützenkönig Krone und Kranz. Zum großen Schützenfest kauft der Verein eine silberne Kette – jeder König lässt auf eigene Kosten seinen Namen eingravieren. Seit 1994 werden die Schützenkönige wieder mit ihr geehrt.

    Brustschild der Schützenkette von 1907
    Brustschild der Schützenkette von 1907
  3. 1914

    500 Jahre Schützen in Badersleben

    Der Verein zählt 76 aktive und 20 Ehrenmitglieder und feiert sein 500-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum schreibt Hermann Schwope die erste Chronik der Schützengesellschaft.

Krieg, Stillstand und Neubeginn

  1. 1939

    525 Jahre – dann Stillstand

    Vom 16. bis 19. Juli 1939 feiert der Verein sein 525-jähriges Bestehen. Von September 1939 an ruht das Vereinsleben für mehr als 25 Jahre.

    Schützenumzug 1937
    Schützenumzug 1937
  2. 1965

    Schießsport in der GST

    In Badersleben entsteht eine Gruppe der Gesellschaft für Sport und Technik. Sie bietet zu DDR-Zeiten den Rahmen für den Schießsport. Die Königskette und die alte Schützenfahne sind zu diesem Zeitpunkt noch vorhanden.

  3. 1993

    Der Schützenverein lebt wieder

    1992 finden sich engagierte Bürger zusammen, um den Schützenverein zu reaktivieren. Der Gemeinderat verzichtet im April 1993 auf den Abriss des alten GST-Schießstands, am 10. Juni 1993 kommen 20 Badersleber zur ersten Versammlung. Gleich danach beginnt der Umbau des Stands.

Der Verein heute

  1. 1994

    Neuer Schießstand und Sportplakette

    Zum 580-jährigen Bestehen wird der umgebaute Schießstand eingeweiht. Der Verein erhält die Sportplakette des Bundespräsidenten. Seitdem gibt es wieder jedes Jahr ein Schützenfest mit Königsschießen.

  2. 1995

    Neue Fahne und eine Kanone

    Die alte Fahne bleibt verschollen, also lässt der Verein eine neue anfertigen. Geweiht wird sie 1996 am Kriegerdenkmal. Von der Freiwilligen Feuerwehr Badersleben bekommen die Schützen eine Böllerkanone.

    Die Fahne von 1995: „Üb Aug und Hand fürs Vaterland“
    Die Fahne von 1995: „Üb Aug und Hand fürs Vaterland“
  3. 1997

    Luftgewehrstand und Jugend

    Im Keller des Vereinsgebäudes entsteht ein Luftgewehrstand, in dem eine Jugendabteilung trainiert.

  4. 2014

    600 Jahre Schützenverein Badersleben

    Im August 2014 feiert der Verein beim Fest der Vereine sein 600-jähriges Bestehen – mit Festempfang in der Huylandhalle, Festschrift und Zapfenstreich. Danach baut der Verein eine Bogengruppe auf und öffnet sich damit für alle, die das Schützenwesen erst kennenlernen wollen.

  5. 2019

    Maibaum und Bogenwiese

    Der Verein stellt wieder den Maibaum auf. Am Schießstand wird die Bogenwiese hergerichtet, auf der die Bogengruppe im Sommer bis 50 Meter schießt.

  6. 2022–2024

    Sanierung des Vereinsheims

    Drei Jahre lang sanieren die Mitglieder ihr Vereinsheim.

  7. 2026

    Das Freischießen ist zurück

    Aus dem Maischießen wird das Freischießen – unter dem Namen, den Paul Nilius schon um 1900 für das große Fest der Badersleber Schützen kannte.

Erinnerungen

„Friescheiten“ – das Freischießen


Paul Nilius, 1889 in Badersleben geboren, erinnert sich an das Schützenfest seiner Kindheit am ersten Sonntag im Juli: Fahnenabholung, Marsch durchs Dorf mit der Schwopeschen Kapelle, Wettschießen im Schützenkrug und Tanz in zwei großen Sälen.

Am Dienstag war Kinderfest. Die Jungen schossen mit Pusterohren auf eine Ringscheibe – wer die wenigsten Ringe hatte, hieß „Pumpenkönig“.

Seit 2026 trägt unser Maischießen wieder diesen alten Namen: Freischießen.

Ein Glas Bier kostete 10 Pfennige, für eine Mark gab es elf. Eine Festtagszigarre konnte man schon für 6 Pfennige haben. Das waren Zeiten!

Paul Nilius, „Erinnerungen“

Quellen

  • Hermann Schwope: Chronik der Schützengesellschaft zu Badersleben 1414–1914, Badersleben 1914
  • Festschrift 600 Jahre Schützenverein 1414 e.V. zu Badersleben, August 2014
  • Gustav Schmidt: Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt und seiner Bischöfe, 4. Teil, Leipzig 1889
  • Paul Nilius: Erinnerungen, zur Verfügung gestellt von Hans Nilius